Schwere Neurodermitis
Behandlung schwerer Formen der

Neurodermitis

Die Ausprägung der Neurodermitis kann in den verschiedenen Krankheitsphasen und bei jedem Patienten stark variieren. Etwa die Hälfte aller Betroffenen leidet zumindest zeitweise an mittelschweren bis schweren Ekzemen. Bei etwa 8 Prozent der Patienten zeigen sich sehr schwere Formen der Neurodermitis. Als besonders belastend empfinden Betroffene den oft unerträglichen und anhaltenden Juckreiz. Er löst einen kaum zu beherrschenden Kratzdrang aus und führt zu schlaflosen Nächten und Beeinträchtigungen des Alltags.

juck kratz kreislauf
Juck-Kratz-Kreislauf

Kratzen der Haut verschafft nur kurzfristige Linderung. Vielmehr fügt man der Haut Verletzungen zu, schädigt noch mehr die Hautbarriere und erhöht damit die Ekzembereitschaft und den Juckreiz.

Schweregrade der Erkrankung

Damit der Arzt die Therapie dem Krankheitsverlauf bestmöglich anpassen kann, muss er die Schwere der Neurodermitis beurteilen. Objektiv messbare Daten, wie z. B. bestimmte Blutwerte gibt es dafür nicht, doch es stehen verschiedene Bewertungssysteme, sogenannte Scores, zur Verfügung, die eine qualifizierte Einordnung des Schweregrades ermöglichen. Im europäischen Raum wird am häufigsten der SCORAD (SCORing Atopic Dermatitis) Index verwendet. Der Index berechnet sich über ein Punktesystem. Der Arzt vergibt Punkte für die Flächen der betroffenen Hautareale und bewertet die Intensität der Hautveränderungen anhand verschiedener Parameter. Außerdem werden die subjektiven Symptome Juckreiz und Schlaflosigkeit bewertet. Die maximale Punktzahl beträgt 103. Patienten, die eine Punktzahl über 50 erreichen, gelten als schwer erkrankt.

Ein anderer üblicher Index ist der EASI (Eczema Area and Severty Index). Hier wird der Körper in 4 Regionen aufgeteilt und für jede Region die Intensität der Hautveränderungen bewertet. Die flächenhafte Ausdehnung wird ebenfalls mit eingerechnet. Maximal sind 72 Punkte möglich. Gemäß der Schweregrad-Einteilung handelt es sich bei Werten ab 21,1 um eine schwer und ab Werten um 50 um eine sehr schwer ausgeprägte Neurodermitis.

Hautscores
  • SCORAD (Scoring Atopic Dermatitis)-Index: Gemessen werden die Parameter: flächenhaftes Ausmaß, Intensität der Hautveränderungen, Juckreiz und Schlaflosigkeit. Maximale Punktzahl: 103

scorad

  • EASI (Eczema Area and Severty Index): Gemessen werden die Parameter: flächenhaftes Ausmaß, Intensität der Hautveränderungen. Maximale Punktzahl: 72

easi

Eingeschränkte Lebensqualität

Der durch die Hautscores ermittelte Schweregrad der Symptome sagt noch nicht alles über den Leidensdruck des Patienten aus. Auch weniger starke Ausprägungen können zu einer erheblichen Belastung werden. Denn die Krankheitszeichen beeinträchtigen den Betroffenen nicht nur körperlich, sondern wirken sich auch auf die Psyche, sein psychosoziales Empfinden und sein Verhalten im gesellschaftlichen Umfeld aus. All dies wird mit dem Begriff gesundheitsbezogene Lebensqualität (health related life quality, HRLQ) beschrieben.

Gesundheitsbezogene Lebensqualität

Die gesundheitsbezogene Lebensqualität wird durch mehrere Dimensionen des Wohlbefindens bestimmt. Das sind körperliche, emotionale, mentale, soziale sowie verhaltensbezogene Komponenten, die sich oft gegenseitig bedingen, sowie das Empfinden, am normalen Leben teilhaben zu können.

Bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis ist die Lebensqualität deutlich beeinträchtigt:

  • Symptome wie Hautekzeme, nässende und schmerzende Wunden, Juckreiz und Schlafstörungen belasten erheblich das körperliche Wohlbefinden.
  • Zwei Drittel der Betroffenen leiden unter so heftigem Juckreiz und Schlafstörungen, dass ihre Konzentrations- und Leistungsfähigkeit sinkt.
  • Ob im Beruf, in Schule oder in der Freizeit – schwere Neurodermitis kann viele Lebensbereiche beeinträchtigen.
  • Einige Patienten schämen sich aufgrund der Hautveränderungen und entwickeln ein geringes Selbstwertgefühl.
  • Häufig leiden Partnerschaft und Liebesleben. Betroffene tun sich schwer, normale Beziehungen aufzubauen und zu führen und ziehen sich aus dem sozialen Umfeld zurück.
  • Erwachsene Patienten leiden häufiger unter Angst und Depressionen.

Ein wesentliches Ziel der Therapie ist es, neben der Linderung der körperlichen Symptome, eine anhaltende Verbesserung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität zu erreichen. Was eine gute Lebensqualität ausmacht, empfindet jeder Mensch anders. Zudem geht jeder Patient ganz individuell mit seiner Erkrankung um. Um die verschiedenen Dimensionen der Lebensqualität für Hautpatienten erfassen zu können, wurden spezielle Erhebungsinstrumente entwickelt. Dazu gehören z. B. die Erhebung des Juckreizes und der Dermatologische Lebensqualitäts-Index (DLQI). Erhebungen zeigen, dass sich etwa ein Drittel der Patienten mit Neurodermitis schwer oder sehr schwer in ihrer Lebensqualität eingeschränkt fühlen. Bei schwerer Neurodermitis ist die Lebensqualität ähnlich eingeschränkt wie bei einem Schlaganfall.

Die Erfassung der Lebensqualität ist für den Arzt nicht nur ein wichtiges Instrument zur Planung der Behandlungsstrategie, sondern auch zur Kontrolle des Therapieerfolges.

Lebensqualität von Hautpatienten
Handekzem

Der DLQI-Fragebogen umfasst insgesamt 10 Fragen zu Symptomen, Gefühlen, täglichen Aktivitäten, Freizeit, Arbeit, Schule, persönlichen Beziehungen sowie Auswirkungen der Behandlung. Die Antworten des Patienten werden mit Punkten bewertet und addiert. Je höher der Gesamtwert, desto schlechter die Lebensqualität. Maximal kann ein Wert von 30 erreicht werden.

Die meisten Patienten mit schwerer Neurodermitis empfinden den starken, oft ganztägig anhaltenden Juckreiz als erhebliche Einschränkung ihrer Lebensqualität.

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Aktuelle Pressemeldung

Was heißt hier schwer?

So beurteilen Ärzte Schweregrad und Leidensdruck bei Neurodermitis

Bonn, 29.11.18 Leicht, mittel, schwer: Um bei Neurodermitis eine geeignete Therapie zu finden, erfassen Ärzte mittels Punktesystem den Schweregrad. Dieser sagt allerdings nur wenig darüber aus, wie sehr ein Patient tatsächlich leidet. Hier setzt der Dermatologische Lebensqualitäts-Index (DLQI) an. Die Deutsche Haut- und Allergiehilfe erklärt Sinn und Grenzen solcher Erfassungssysteme.

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